Beim Drittzahlersystem stellt der Pflegeleistende (Arzt, Pflegerin, Krankenhaus usw.) der Krankenkasse die Kosten direkt in Rechnung. So muss der Patient Honorare oder Krankenhauskosten nicht mehr vollständig vorstrecken, sondern zahlt nur seinen Eigenanteil und eventuelle Honorarzuschläge, d.h. die Kosten die er ohnehin tragen muss.

Verpflichtend und automatisch

  • Krankenhausaufenthalt: Das Krankenhaus rechnet die Kosten direkt mit der Krankenkasse ab. Somit zahlen Sie lediglich Ihre Eigenanteile sowie eventuelle Zimmer- und Honorarzuschläge, die Ihnen durch eine zusätzliche Krankenhausversicherung erstattet werden können.
  • Apotheke: Für erstattbare Medikamente wird automatisch das Drittzahlersystem angewandt, sodass Sie nur Ihren Eigenanteil zahlen.
  • Hausärzte: Personen mit Anrecht auf den Vorzugstarif müssen bei Ihrem Hausarztbesuch nur den Eigenanteil zahlen. Bei Hausbesuchen darf der Allgemeinmediziner das System anwenden, ist aber nicht dazu verpflichtet.

Fakultativ

Verschiedene Pflegeleistende (z.B. Krankenpfleger oder Logopäden) können entscheiden, ob sie das Drittzahlersystem anwenden oder nicht. Wenn sie es anwenden, müssen sie sich an die offiziellen Tarife halten. Diese werden in Abkommen zwischen den Pflegeleistenden und der Krankenkasse festgelegt.

Verboten

Zahnärzten ist die Anwendung des Drittzahlersystems untersagt. Außer für Personen mit Anrecht auf den Vorzugstarif (siehe Ausnahmen).

  • Ausnahmen für die Anwendung des Drittzahlersystems

    Damit niemand auf eine ärztliche oder zahnärztliche Behandlung verzichten muss, gibt es Ausnahmesituationen, in denen das Drittzahlersystem angewandt werden darf:

    • Für Personen mit Anrecht auf Vorzugstarif.
    • Für Kinder mit einer anerkannten Beeinträchtigung und Anrecht auf erhöhte Kinderzulagen. Die Anwendung des Drittzahlersystems gilt ab dem Moment der Anerkennung bis zum 31. Dezember desselben Jahres. Sie wird gegebenenfalls automatisch verlängert.
    • Für Personen, die unter dem Statut Einwohner versichert sind und keinen Pflichtbeitrag bei der Krankenkasse zahlen müssen.
    • Für Personen, die seit mindestens 6 Monaten vollarbeitslos sind und eine Arbeitslosenunterstützung erhalten. Die Anwendung des Drittzahlersystems gilt bis zum 31. Dezember des darauf folgenden Jahres. Sie wird gegebenenfalls automatisch verlängert.
    • Für Personen in einer finanziellen Notsituation (dies gilt nicht für zahnärztliche Pflege). Der Patient oder der Arzt muss eine Erklärung auf Ehrenwort erstellen, in der die finanzielle Notlage erklärt wird. Diese Erklärung muss vom Patienten unterschrieben werden.
  • Weitere Leistungen über Drittzahler

    Für unterschiedliche Leistungen darf der Pflegeleistende automatisch das Drittzahlersystem anwenden oder auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten hin:

    • Das Honorar für die Verwaltung der Globalen Medizinischen Akte (GMA). Auf der Pflegebescheinigung, die das Honorar in Rechnung stellt, muss der Arzt neben dem Namen des Patienten folgendes vermerken: (Name), der/die das Drittzahlersystem beantragt. Dieser Vermerk muss vom Patienten unterschrieben werden.
    • Zahnbehandlungen bei Kindern unter 18 Jahren (gilt nicht für kieferorthopädische Behandlungen).
    • Honorare für Nacht- und Wochenenddienste von Allgemeinmedizinern.
    • Pflegeleistungen, die in anerkannten Zentren für Geistesgesundheit, Familienplanung, Sexualberatung sowie in Einrichtungen für Drogensüchtige erbracht werden.
    • Pflegeleistungen in medizinischen Einrichtungen (Ärztehäusern), die die Zahlung durch Pauschalhonorare anwenden.
    • Leistungen bei Versicherten, die während einer Behandlung gestorben sind oder im Koma liegen.
    • Für Behandlungen in spezialisierten Einrichtungen:
      • Kinderpflege: in Kinderkliniken oder Krankenhäusern (mit oder ohne Kinderstation).
      • Seniorenpflege: in anerkannten und unter Vertrag stehenden Alten- und Pflegeheimen. Dies gilt auch für die Abrechnung ärztlicher Behandlungen, die der Hausarzt direkt bei der Krankenkasse einreicht.
      • Behindertenpflege: in funktionellen Rehabilitationseinrichtungen, die ein Abkommen mit dem Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung abgeschlossen haben; oder in Einrichtungen, die durch die Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben anerkannt sind.