Vorbeugen statt vergessen: Kognitive Reserven trainieren
25.03.2026Demenzformen wie Alzheimer oder Krankheiten wie Parkinson, ALS oder Chorea Huntington zählen zu neurodegenerativen Erkrankungen und sind bis heute nicht heilbar. Dennoch können wir einiges tun, um unser Gehirn zu schützen: Neben körperlicher, mentaler und sozialer Gesunderhaltung gilt es, kognitive Reserven aufzubauen – eine Art Schutzschild, der den Ausbruch oder das Fortschreiten von Symptomen verzögern oder letztere sogar mildern kann. Doch wie können wir unsere kognitiven Reserven stärken?
Was sind neurodegenerative Erkrankungen?
Neurodegenerative Erkrankungen haben eines gemeinsam: Neuronen, also Nervenzellen, im Gehirn werden fortschreitend geschädigt und sterben ab. Je nach betroffener Hirnregion zeigen sich unterschiedliche Symptome. Mit dem Nervenzellverlust schwinden kognitive, soziale und motorische Fähigkeiten, häufig auch die Persönlichkeit und das Gefühlsleben. Da das Gehirn die Schäden nicht mehr ausgleichen kann, nehmen die Beeinträchtigungen stetig zu – bis hin zum Verlust lebenswichtiger Funktionen wie Atmung oder Schlucken.
Das menschliche Gehirn enthält rund 100 Milliarden Nervenzellen. Die meisten abgestorbenen Nervenzellen im Gehirn können – im Gegensatz zu z.B. Hautzellen – nicht erneuert werden.
Was sind die Auslöser?
Die Ursachen von neurodegenerativen Erkrankungen sind je nach Krankheitsbild unterschiedlich und stehen oft in einem Wechselspiel zueinander. Bis heute konnten noch immer nicht alle gänzlich geklärt werden. Zu den häufigsten zählen Alter, Genetik, Entzündungen und Viren, Proteinablagerungen, oxidativer Stress, ungesunder Lebensstil, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen.
Lassen sich neurodegenerative Krankheiten vorbeugen?
Neben den kaum beeinflussbaren Auslösern gibt es auch Faktoren, die wir selbst positiv steuern können. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung, Bewegung, sozialer Aktivität und mentalem Gleichgewicht beugt Krankheiten vor. Bei neurodegenerativen Erkrankungen kann zusätzlich direkt im Gehirn angesetzt werden – durch den Aufbau sogenannter kognitiver Reserven.
Geistige Stärke beginnt im Alltag:
So bauen Sie Ihre kognitiven Reserven auf!
Geistige Fitness lässt sich ein Leben lang trainieren. Unser Gehirn bleibt formbar, wenn wir es regelmäßig fordern und neuen Reizen aussetzen. Das hilft dabei, kognitive Reserven aufzubauen und zu erhalten.
Im Folgenden finden Sie einige praktische Tipps, mit denen Sie Ihr Gehirn gezielt fördern können. Kürzere, regelmäßig über den Tag verteilte Einheiten sind meist wirksamer, motivierender und leichter in den Alltag zu integrieren als lange, sporadische Trainings. Hilfreich sind kleine Handyerinnerungen – so wird das Üben Schritt für Schritt zur Routine. Wichtig dabei: Lernen Sie mit Freude und beziehen Sie alle Sinne mit ein – so verankert sich Neues besser im Gedächtnis.
Lesen
Lesen Sie ein neues Buch oder ein Wissensmagazin. Wenn Sie sonst selten lesen, starten Sie mit 5 bis 10 Seiten pro Tag.
Rätsel-, Merk- und Reaktionsspiele
Ob Kreuzworträtsel, Sudoku, Reim- oder Logikrätsel oder auch mal ein Reaktionsspiel am Computer – wichtig ist die Abwechslung. Legen Sie sich ein Rätselbuch mit unterschiedlichen Aufgaben zu oder nutzen Sie Online-Plattformen mit Übungsspielen. Steigern Sie nach und nach den Schwierigkeitsgrad, um Ihr Gehirn kontinuierlich zu fordern.
Tagesrückblick
Lassen Sie vor dem Schlafengehen den Tag Revue passieren. Notieren Sie sich 5 schöne kleine Erlebnisse oder einfach 3 Dinge, die Sie neu gelernt haben – oder gehen Sie sie einfach im Kopf durch.
Schreiben
Verfassen Sie eine Geschichte, ein Gedicht oder halten Sie Ihre Träume schriftlich fest.
Neues Hobby
Suchen Sie sich eine neue Freizeitaktivität – idealerweise etwas, das Ihnen Freude bereitet. Das kann eine Sportart sein oder ein eher kognitives Hobby wie Schach oder das Erlernen eines Musikinstruments. Besonders in der Gruppe macht das Lernen nicht nur mehr Spaß, sondern hält auch langfristig motiviert.
Neue Sprache
Lernen Sie eine neue Sprache, indem Sie täglich 5 bis 10 Minuten bspw. mit einer Sprach-App üben. Wenden Sie die neuen Wörter anschließend im Alltag an oder schreiben Sie bereits erlernte Wörter in ein Tagebuch.
Neugierig bleiben
Wenn Ihnen im Alltag etwas Unbekanntes begegnet, hinterfragen Sie es und recherchieren Sie – dadurch entstehen weitere neue neuronale Verbindungen.
Aktiv Musik hören oder selbst musizieren
Musik fördert die Vernetzung der Nervenzellen und aktiviert gleichzeitig verschiedene Hirnareale – etwa jene für Emotionen, Bewegung, Hören und Gedächtnis.
Alltagsmerken
Versuchen Sie, sich Alltägliches zu merken – etwa Einkaufslisten, Telefonnummern oder Autokennzeichen. Fragen Sie sich selbst Dinge ab, die Sie sonst kaum hinterfragen: Wie viele Fenster hat mein Haus? Welche Farben haben die Kerzen zu Hause? Wie viele Dörfer gehören zu meiner Gemeinde?
Hörbücher oder Wissenssendungen
Passives Zuhören oder Schauen von Wissensinhalten ist zwar besser als gar kein Training, ersetzt aber natürlich kein aktives Mitdenken. Notieren Sie sich interessante Fakten oder fragen Sie sich im Anschluss selbst ab – so bleibt mehr hängen.
Karten- oder Gesellschaftsspiele
Probieren Sie ein neues Spiel aus und spielen Sie gemeinsam mit anderen – das regt Ihr Gedächtnis an und stärkt zugleich Ihre soziale Reserve. Wenn gerade kein Spielpartner verfügbar ist, können Sie sich auch alleine beschäftigen, z.B. mit einem Fragespiel, bei dem Sie Ihr Wissen auf die Probe stellen.
Warum das Ganze?
Wie unsere Muskeln braucht auch das Gehirn lebenslanges Training. Studien zeigen: Wer sein Gehirn regelmäßig fordert, bleibt geistig länger fit, stark und leistungsfähiger – idealerweise beginnt man damit schon in jungen Jahren, denn der Effekt lässt mit den Lebensjahren nach.
Kognitive Reserven aufzubauen:
- fördert neue neuronale Verbindungen,
- verbessert die Durchblutung,
- stärkt die Gehirnstruktur, -funktion und -vernetzung,
- hilft dem Gehirn, Funktionsverluste besser auszugleichen,
- verlangsamt den Abbau von Nervenzellen,
- schützt Nervenzellen,
- mindert Stress, was sich wiederum positiv auf den Blutdruck auswirkt,
- fördert Lebensfreude und Erfolgserlebnisse.