Studie: Berufstätige Mütter deutlich häufiger wegen psychischer Probleme arbeitsunfähig


Berufstätige Mütter haben ein deutlich höheres Risiko, aufgrund psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig zu werden, als Väter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Freien Krankenkassen, die sich auf die Daten von mehr als 313.000 Mitgliedern aus den Jahren 2017 bis 2025 stützt.


Demnach sind Mütter, die mit einem Partner zusammenleben, 2,27-mal häufiger von psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit betroffen als Väter in derselben Familiensituation. Bei Alleinerziehenden fällt der Unterschied noch größer aus: Alleinerziehende Mütter haben ein 2,67-fach höheres Risiko als allein lebende Väter.

Je mehr kleine Kinder, desto größer die Kluft

Besonders deutlich zeigt sich die Kluft in Familien mit mehreren kleinen Kindern. Während sich bei Vätern die Anzahl der Kinder kaum auf das Risiko einer psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit auswirkt, steigt dieses bei Müttern kontinuierlich an. Leben mehr als 2 Kinder unter 7 Jahren im Haushalt, ist das Risiko für Mütter nahezu 3-mal so hoch wie für Väter.

Die Freien Krankenkassen führen die Unterschiede u.a. auf die ungleiche Verteilung von Betreuungs- und Haushaltsaufgaben zurück. Untersuchungen zeigen, dass berufstätige Mütter durchschnittlich 15 Stunden pro Woche mehr für Betreuungs- und Haushaltsaufgaben aufwenden als Väter. Zudem arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Berufstätigkeit öfter zugunsten familiärer Verpflichtungen.

Die Ergebnisse knüpfen an Forschungen zur sogenannten „Child Penalty“ an. Diese beschreibt die langfristigen Nachteile, die Frauen nach der Geburt eines Kindes auf dem Arbeitsmarkt erfahren. Laut einer Studie der Ökonomen Fontenay und Tojerow haben Mütter in Belgien bis zu 8 Jahre nach der Geburt ihres ersten Kindes ein um 40 % höheres Risiko, arbeitsunfähig zu werden, als Väter.

Strukturelle Reformen

Angesichts der Ergebnisse fordern die Freien Krankenkassen strukturelle Reformen. Dazu zählen eine stärkere Nutzung des Geburtsurlaubs durch Väter, flexiblere Regelungen beim Elternurlaub, eine bessere Unterstützung von Alleinerziehenden sowie Investitionen in eine bezahlbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung.

„Ohne strukturelle Maßnahmen besteht die Gefahr, dass die Kombination von Beruf und Familie für viele Mütter untragbar wird“, sagt Katrien De Reu, Ärztin und Expertin bei den Freien Krankenkassen. Eine ausgewogenere Verteilung der Betreuungsaufgaben sei nicht nur für die Gleichstellung der Geschlechter, sondern auch für die psychische Gesundheit berufstätiger Eltern entscheidend.