Schlaganfallversorgung in Belgien: Zahlen, Fakten und Entwicklungen
Jedes Jahr erleiden in Belgien rund 25.000 Menschen einen Schlaganfall. Entscheidend ist eine schnelle und gezielte Behandlung, da jede Sekunde zählt. Ein Bericht des LIKIV und des FÖD Volksgesundheit analysierte die Versorgung ischämischer Schlaganfälle in 96 Krankenhäusern. Wir haben das Wichtigste für Sie zusammengefasst.
Ein ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt) entsteht meist durch ein Blutgerinnsel, das eine mit Sauerstoff hirnversorgende Arterie blockiert. Der Verschluss verursacht durch Sauerstoffmangel Zellschäden und macht etwa 80 % aller Schlaganfälle aus.
Risikofaktoren
Laut dem Europäischen Aktionsplan gegen Schlaganfall (2018-2030) wird die Zahl der Schlaganfälle in der EU zwischen 2015 und 2035 voraussichtlich um 34 % steigen. Viele Fälle wären vermeidbar, da zentrale Risikofaktoren beeinflussbar sind – insbesondere Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Herzerkrankungen, DiabetesAuch Zuckerkrankheit genannt. Unterschieden wird zwischen Diabetes Typ 1, Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes. Mehr, Adipositas, Bewegungsmangel und Rauchen. 2021 waren 84 % der Krankheitslast mit 23 Faktoren verbunden, darunter auch die zuvor genannten. Das stellt eine Herausforderung dar, bietet aber zugleich großes Präventions-, Kontroll- und Behandlungspotenzial, denn dieses könnte die Schlaganfallrate in Belgien deutlich senken.
Jede Sekunde zählt
Ein ischämischer Schlaganfall ist ein akuter Notfall, bei dem jede Sekunde zählt: Ohne ausreichende Durchblutung sterben im Gehirn pro Minute fast 2 Millionen Nervenzellen ab. Je schneller Diagnose gestellt und die Behandlung eingeleitet wird, desto besser sind die Chancen auf Erholung – und desto geringer ist das Risiko für bleibende Beeinträchtigungen oder einen tödlichen Verlauf. Schlaganfälle sind weltweit die zweithäufigste Todesursache und eine der Hauptursache für dauerhafte Beeinträchtigungen.
Behandlung
In der sogenannten „hyperakuten Phase“ kommen 2 Behandlungsarten infrage, einzeln oder in Kombination:
- Thrombolyse: Ein Medikament wird intravenös verabreicht, um das Blutgerinnsel aufzulösen.
- Thrombektomie: Bei diesem spezialisierten Eingriff wird das Gerinnsel direkt aus der betroffenen Hirnarterie entfernt.
Zahlen und Fakten des Berichts
Der Bericht stützt sich auf nationale Daten der Jahre 2021 und 2022 sowie auf Online-Fragebögen, die 2025 an 96 Krankenhäuser verschickt wurden.
- 91 % der Patienten werden über die Notaufnahme ins Krankenhaus aufgenommen.
- 89 % erhalten eine Gehirnbildgebung.
- Erfolgt die Aufnahme mehr als 4 Stunden nach Symptombeginn, hängen die Behandlungschancen stark vom jeweiligen Krankenhaus ab.
- 94 Krankenhäuser führen Thrombolyse durch, 20 davon zusätzlich Thrombektomien.
- 54,3 % der Patienten, die eine Thrombektomie erhalten, werden dafür aus anderen Krankenhäusern verlegt aufgrund unzureichender Infrastruktur.
- Insgesamt hat sich der schnelle Einsatz beider Behandlungen verbessert und nähert sich den europäischen Standards an, dennoch bestehen weiterhin Unterschiede innerhalb Begiens.
- Die Thrombolyserate ist gestiegen und nähert sich den besten europäischen Ergebnissen an. Die Thrombektomierate entspricht bereits den besten in Europa beobachteten Spitzenwerten.
Für eine optimale, schnelle und gerechte Versorgung
Solche Audits verfolgen lebenswichtige Ziele: Sie sollen die Versorgungsqualität verbessern, Ressourcen effizient einsetzen und durch nationale Harmonisierung sowie systematische Leistungsüberwachung einen gleichberechtigten Zugang zu hochwertigen Versorgungsnetzwerken sicherstellen. Das Audit zeigte z.B. Unterschiede zwischen Krankenhäusern und Verbesserungspotenzial bei Transferzeiten, Behandlungswegen, Organisation, Einhaltung von Normen, Gehirnbildgebung, Umsetzung von Leitlinien und Protokollen, Zeitfenstern, neurologischer Fachverfügbarkeit sowie Rehabilitations-, Nachsorge- und Diagnostikprozessen.
Den ganzen Bericht und alle Empfehlungen finden Sie unter Nützliche Links (nur auf Französisch und Niederländisch verfügbar).