Medikamente und Hitze: Worauf Sie im Sommer achten sollten


Hohe Temperaturen belasten den Körper – besonders, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Denn Hitze, Flüssigkeitsmangel und bestimmte Arzneimittel können sich gegenseitig beeinflussen und das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Fachleute raten deshalb, während Hitzewellen ausreichend zu trinken und Medikamente niemals eigenmächtig abzusetzen oder ihre Einnahme zu verändern.


Blutdruckmedikamente können den Kreislauf zusätzlich belasten

Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, die wegen Bluthochdrucks behandelt werden. Allein in Belgien nehmen mehr als 2 Millionen Menschen entsprechende Medikamente ein. Dazu gehören u.a. Diuretika, die die Ausscheidung von Wasser und Salz fördern. An heißen Tagen kann dadurch das Risiko einer Dehydrierung steigen. Auch ACE-Hemmer, die die Blutgefäße erweitern und den Blutdruck senken, können in Kombination mit der natürlichen Gefäßerweiterung durch Hitze dazu führen, dass der Blutdruck zu stark abfällt. Schwindel oder Kreislaufprobleme können die Folge sein.

Schmerzmittel nicht unüberlegt einnehmen

Treten bei Hitze Kopfschmerzen auf, greifen viele Menschen schnell zu frei verkäuflichen Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Doch Vorsicht: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) können insbesondere bei älteren oder dehydrierten Menschen die Nieren belasten. Werden sie gleichzeitig mit bestimmten Blutdruckmedikamenten wie Diuretika oder ACE-Hemmern eingenommen, kann das im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen führen. Änderungen der Medikation sollten deshalb immer mit dem behandelnden Arzt oder dem Apotheker abgestimmt werden.

Auch andere Medikamente erhöhen das Risiko

Einige Antihistaminika gegen Allergien sowie bestimmte Antipsychotika können das Durstgefühl verringern und dadurch eine Dehydrierung begünstigen. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine können zudem die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen einschränken. Betroffene bemerken Warnzeichen wie Durst, Schwindel oder Kreislaufprobleme dadurch unter Umständen erst spät.

Vorsicht bei Grapefruitsaft und Sonne

Nicht nur die Hitze, sondern auch die Ernährung spielt eine Rolle. Grapefruitsaft kann die Wirkung verschiedener Medikamente deutlich verstärken. Bereits ein Glas reicht aus, um den Abbau bestimmter Wirkstoffe im Körper zu verlangsamen. Betroffen sind u.a. einige Cholesterinsenker, Krebsmedikamente und Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen. Dadurch können unerwünschte Nebenwirkungen häufiger oder stärker auftreten.

 

Auch Sonneneinstrahlung kann in Kombination mit bestimmten Medikamenten problematisch sein. Einige Akne-Medikamente, bestimmte Antibiotika wie Tetrazykline oder Chinolone, entzündungshemmende Gele sowie manche Herzmedikamente können die Haut lichtempfindlicher machen. Bereits kurze Aufenthalte in der Sonne können dann zu starken Hautreaktionen führen.

Ausreichend trinken

Die wichtigste Schutzmaßnahme an heißen Tagen bleibt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wer genügend trinkt, unterstützt die Nieren bei ihrer Arbeit und hilft dem Körper, Medikamente richtig abzubauen und auszuscheiden. Bei Flüssigkeitsmangel können sich Wirkstoffe im Körper stärker anreichern, wodurch das Risiko für Nebenwirkungen steigt.

 

Bei Unsicherheiten ist der Apotheker oft die erste Anlaufstelle. Er kann mögliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten erkennen und beraten, worauf bei hohen Temperaturen zu achten ist. Voraussetzung ist, dass die aktuelle Medikation vollständig bekannt ist – etwa über die Globale Medizinische Akte. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen und die Arzneimitteltherapie sicher begleiten.