Dermorexie: Die Besessenheit von perfekter Haut


Schon Kinder ab 8 Jahren verwenden Hautpflegeprodukte und lassen sich von Pflegeroutinen aus den sozialen Medien inspirieren. Der Wunsch nach einer „perfekten“ Haut führt dabei nicht selten zu einer übermäßigen oder ungeeigneten Hautpflege. Dieses Verhalten wird als Dermorexie bezeichnet und tritt in der Welt der Hautpflege immer häufiger auf.


Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene lassen sich stark von Online-Inhalten rund um Hautpflege beeinflussen, deren Qualität häufig fragwürdig ist.

Schon Kinder im Alter von 8 oder 9 Jahren kennen heute Gesichtswasser, Reinigungsprodukte und Feuchtigkeitscremes. Sie orientieren sich an Inhalten aus den sozialen Medien, die oft von sehr jungen Influencern erstellt werden und deren tägliche Hautpflegeroutinen zeigen.

Der Einfluss der sozialen Medien

Auf TikTok und YouTube präsentieren sogenannte „Skinfluencer“ – häufig mithilfe von Filtern – eine scheinbar makellose Haut. Dieser Trend, bekannt als „Glass Skin“, stammt ursprünglich aus Südkorea. Die Skinfluencer bewerben umfangreiche Hautpflegeroutinen mit Gesichtswasser, Peelings und Seren.

Dabei sind viele dieser Produkte für junge, sich noch entwickelnde Haut ungeeignet. Ihre wiederholte Anwendung kann die Hautbarriere schwächen und das natürliche Gleichgewicht der Haut stören.

 

Einige Influencer stellen bestimmte Produkte zudem als Wundermittel gegen Pickel oder trockene Hautstellen dar. Um ersten Fältchen vorzubeugen, greifen immer mehr junge Menschen zu sehr reichhaltigen Cremes oder Anti-Aging-Produkten mit Wirkstoffen wie Vitamin-A-Derivaten. Diese Produkte sind jedoch für erwachsene Haut entwickelt und können bei junger Haut starke Reizungen oder sogar Hautschäden verursachen.

 

Dermorexie ist nicht einfach Ausdruck von Eitelkeit oder dem Wunsch, bewundert zu werden. Dieses Verhalten führt zu übermäßigen Behandlungen, Hautschäden und psychischen Belastungen. Es ist wichtig, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und sie auf die Risiken aufmerksam zu machen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Haut und Selbstwertgefühl leiden

Produkte mit Duftstoffen, Farbstoffen oder hormonell wirksamen Substanzen sind für die Haut von Kindern und Jugendlichen ungeeignet. Sie können die Haut reizen oder die Hautbarriere schädigen und dadurch langfristig das Risiko für Allergien, Akne oder Ekzeme erhöhen.

 

Grundsätzlich ist eine regelmäßige Hautpflegeroutine erst ab dem 18. Lebensjahr sinnvoll, wenn die Haut vollständig entwickelt ist.

 

Bei Minderjährigen mit Hauterkrankungen wie Akne oder Ekzemen ist selbstverständlich eine individuell angepasste Hautpflegeroutine in Kombination mit einer gezielten Behandlung empfohlen. Hautpflege ist in diesen Fällen ein wichtiger Bestandteil der Therapie, allerdings unter fachärztlicher Verordnung.

 

Hinzu kommt, dass der ständige Konsum sozialer Medien den Vergleich mit oft unrealistischen Bildern fördert. Werden die erhofften Ergebnisse nicht erreicht, kann dies das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen.

Wie können Kinder und Jugendliche ihre Haut schützen?

Ein wirksamer Sonnenschutz ist bereits im Kindesalter unverzichtbar: Verwenden Sie eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 und achten Sie zusätzlich auf schützende Kleidung sowie einen Hut oder eine Kappe. Hautkrebs ist häufig die Folge von Hautschäden, die bereits in der Kindheit entstanden sind.

 

Die Haut von Kindern regeneriert sich von selbst. Cremes, Seren oder Peelings sind daher in der Regel nicht notwendig. Für Kinder genügt es, das Gesicht mit Wasser zu reinigen.

 

Haben Sie Fragen oder Hautprobleme? Hat Ihr Kind empfindliche Haut oder Akne? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Dermatologen. Sie können Ihnen geeignete Pflegeprodukte und eine passende Behandlung empfehlen.