Depressionen

Wohl jeder würde sich hin und wieder gerne die Decke über den Kopf ziehen und anderen Menschen aus dem Weg gehen. Auslöser für ein solches Stimmungstief gibt es viele: Probleme mit dem Partner, Überforderung im Berufsleben oder einfach eine schlechte Tagesform. Nach einer kleinen Ruhepause sieht die Welt jedoch meist wieder viel freundlicher aus.

Menschen, die an einer Depression leiden, finden allerdings nicht so einfach wieder ins Leben zurück. Die Krankheit zieht sich monate- oder jahrelang hin und macht den Betroffenen das Leben schwer. Gut gemeinte Ratschläge von Freunden und Bekannten – "Kopf hoch, du schaffst das!" oder "Du musst einfach positiv denken" – helfen nicht, sondern verschlimmern den Zustand oft.

Depressiven Menschen fehlt die Zuversicht, die sie für ein "Sich-aufrappeln" bräuchten, denn die Depression ist eine ernste, oft lebensbedrohliche Krankheit. Durch die scheinbare Sinnlosigkeit des Lebens entwickelt ein Großteil der Patienten Selbstmordgedanken. Bei einem Viertel der Betroffenen ist der Todeswunsch so stark, dass sie versuchen, sich das Leben zu nehmen.


Die moderne Medizin hat belegt, dass nicht nur seelische, sondern auch körperliche Einflüsse bei der Entstehung der Erkrankung eine Rolle spielen. So können beispielsweise Stoffwechselstörungen genauso Auslöser sein wie ein seelischer Schock. Auch die Anzeichen der Erkrankung sind so vielseitig, dass eine Depression oft erst nach zahlreichen Untersuchungen erkannt wird.

In den meisten Fällen ist eine Depression nicht auf eine einzige bestimmte Ursache zurückzuführen. Erst die Häufung mehrerer Umstände und Probleme lassen den Betroffenen allmählich in einen depressiven Zustand verfallen. Die Gründe können dabei körperlicher, moralischer oder sozialer Art sein.

In einigen Fällen gibt es allerdings einen scheinbar konkreten Auslöser für die Erkrankung. Häufig ist dies eine bestimmte Lebenssituation, die das "Fass zum Überlaufen" bringt. Meistens handelt es sich hierbei um einen Verlust, den die Person nicht akzeptiert (Kündigung, Umzug, Tod eines nahestehenden Menschen, gesundheitliche Einschränkungen, …). Auch familiäre Häufungen von Depressionen oder vergangene, nicht verarbeitete Traumata sind häufig der Ursprung einer depressiven Störung.

Manchmal tritt die Depression als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung auf. Dies ist der Fall bei:

  • bestimmten Infektionskrankheiten, Gelbsucht, rheumatischen Erkrankungen;
  • Hormonstörungen und den Hormonhaushalt betreffende Krankheiten (z.B. Diabetes);
  • Erkrankungen des Nervensystems (Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose, …);
  • der Einnahme bestimmter Medikamente, vor allem kortisonhaltige Präparate;
  • anderen schweren Krankheiten (z.B. Krebs, AIDS, …).

Nicht alle Depressionen sind gleich. Je nach Ursachen, Schwere und Verlauf der Beschwerden wird die Krankheit in Gruppen unterteilt. Die Einordnung erweist sich häufig jedoch als sehr schwierig, da die Übergänge zwischen den Kategorien schleichend und die Symptome nicht immer eindeutig sind. Bei manchen Betroffenen äußert sich die Krankheit fast nur in körperlichen Beschwerden, wie bspw. Verdauungsprobleme, Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen, Schlafstörungen, ständige Müdigkeit. Da der seelische Notstand in diesen Fällen in den Hintergrund tritt, vergehen oft Monate, bis die Diagnose "Depression" gestellt wird.

Aus klinischer Sicht gehört die Depression – genau wie die Manie – zu den so genannten affektiven Störungen. Während die Manie durch ein übermäßiges Hochgefühl, Enthemmung, Selbstüberschätzung und Leichtsinn gekennzeichnet ist, treten bei depressiven Erkrankungen die gegensätzlichen Symptome auf. Man unterscheidet zwischen folgenden Typen:

Depressive Episode

Diese Art der Erkrankung äußert sich vor allem durch geistige und körperliche Antriebsschwäche sowie durch Schlafstörungen. Hinzu kommen häufig unbegründete Ängste, innere Unruhe, sozialer Rückzug und Todeswünsche. Je nach Schwere der Erkrankung leidet der Betroffene an einer leicht gedrückten Stimmung bis hin zu starkem Schwermut. Krankheitsformen mit einem stark verminderten Aktivitätsdrang oder aber besonderer Hektik werden ebenso als depressive Episode gewertet wie Depressionen, bei denen Wahnvorstellungen auftreten oder die sich vor allem durch körperliche Beschwerden äußern.

Dysthymia (neurotische Depression)

Die Dysthymia äußert sich vor allem durch die tieftraurige Stimmung der Erkrankten. Zwar belastet sie die Betroffenen, ihren Alltag können sie in der Regel jedoch mehr oder weniger problemlos meistern. Zu dieser Form der Depression gehören unter anderem die Wochenbettdepression (nach der Geburt eines Kindes), Depressionen, die nach besonderen Belastungen auftreten sowie Depressionen im Alter.

Manisch-depressive Erkrankungen

Charakteristisch sind anhaltende Stimmungsschwankungen von depressiv bis euphorisch. Die wechselnden Gemütszustände stehen nicht oder nur sehr selten in Verbindung mit den Lebensumständen. Die Krankheit bricht vorwiegend im jungen Erwachsenenalter aus und verläuft meist chronisch.


Antidepressiva

Depressionen werden durch eine Mischung aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie behandelt. Die so genannten Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel im Gehirn, indem sie die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen fördern. Dies geschieht durch die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, die bei Depressionspatienten häufig nur in unzureichender Menge vorhanden sind. 

Leichten und mittelschweren Depressionen kann auch mit Johanniskrautpräparaten entgegengewirkt werden. Da die enthaltenen Wirkstoffe jedoch nicht so stark sind, wie in anderen Antidepressiva, eignen sich diese Medikamente nicht zur Behandlung schwerer Erkrankungen. 

Die medikamentöse Therapie dauert etwa vier bis sechs Monate, selbst wenn die Symptome schon vorher vollständig abklingen. Wird die Einnahme der Arzneien sofort nach dem Verschwinden der depressiven Anzeichen unterbrochen, so ist es wahrscheinlich, dass die Beschwerden wiederkehren. Je nach Schwere der Erkrankung kann sich eine jahrelange Einnahme der Antidepressiva als notwendig erweisen.

Psychotherapie

Bei der Behandlung von Depressionen kommen – je nach Erkrankungstyp – unterschiedliche Arten der Psychotherapie zum Einsatz. Die meistverbreitete Behandlungsart ist heute die Verhaltenstherapie. Sie geht davon aus, dass Depressionen durch ein erlerntes Fehlverhalten ausgelöst werden. Durch das Erlernen neuer Verhaltensmuster sollen negative Denkweisen und somit die Depression bekämpft werden. Weitere Ansätze zur Lösung der inneren und zwischenmenschlichen Konflikte finden sich in der Psychoanalyse sowie in der interpersonellen Therapie. Welche Behandlungsmethode vorzuziehen ist, entscheidet der Therapeut.

Gut zu wissen

Für psychologische Behandlungen sieht unsere Krankenkasse eine Erstattung vor. Durch unsere Zusätzlichen Dienste beteiligen wir uns mit 15,00 € pro Sitzung bei einem diplomierten Psychologen.

Rückfall

Die Behandlung einer Depression erweist sich meist als langwierig. Weder die Einnahme von Arzneimitteln noch die psychologische Behandlung zeigen eine sofortige Wirkung. Ein Gefühl der Besserung tritt oft erst nach mehreren Wochen ein.

In vielen Fällen heilt eine Depression nach einmaligem Erscheinen völlig aus. Wurde die Krankheit jedoch nicht angemessen therapiert oder ist die Behandlung frühzeitig unterbrochen worden, so kann es zu schweren Rückfällen kommen. Davon betroffen sind etwa zehn Prozent der Patienten; man spricht von einer chronischen Depression. Hinzu kommt, dass jeder erneute Rückfall meist stärker ist als die vorige Depressionsphase und den Betroffenen immer mehr angreift.

Niemand ist in seinem Leben sicher vor einer Depression. Selbst Personen, deren seelische Gesundheit stets im Gleichgewicht ist, können durch unterschiedliche Ursachen plötzlich in ein tiefes Loch fallen. Vor allem Menschen, die schon depressive Phasen durchgemacht haben oder die häufig an Stimmungsschwankungen leiden, sollten auf eine innere Harmonie achten. Neben einem geregelten Lebensablauf sowie der Vermeidung von Stress hilft auch das Ausüben von Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training, …). Dabei ist es wichtig, diese Praktiken auch in beschwerdefreien Zeiten nicht aus den Augen zu verlieren.

Angehörige

Für die Angehörigen stellt das Leben mit einem depressiven Mitmenschen oft eine sehr große Belastung dar. Die Krankheit löst bei vielen Personen Unsicherheit aus und sie wissen nicht, wie sie dem Betroffenen helfen können. Vor allem ist es wichtig, sich über Depressionen und ihren Verlauf zu informieren. Nur so kann Verständnis für die Situation des Patienten aufgebaut werden, und das ist es, was dieser unbedingt braucht. Zudem sollte das Thema in der Familie und im Freundeskreis offen angesprochen werden.

Oft wird versucht, dem Betroffenen klar zu machen, dass sein Leben doch gar nicht so schrecklich sei. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann, denn durch diese und ähnliche gut gemeinte Bemerkungen wird der Patient darauf aufmerksam gemacht, dass alle Anderen ihr Leben im Griff haben. Ihm selbst gelingt dies jedoch nicht. Er fühlt sich wie ein Versager und sinkt noch tiefer in die Depression.

Freunde und Verwandte eines depressiven Menschen können ihm also lediglich helfen, wenn sie ihm geduldig zuhören, ihm zu einer Therapie raten und ihn darin unterstützen.

Die deutlichsten Merkmale einer Depression sind eine pessimistische Lebenseinstellung sowie eine tiefe Traurigkeit. Auch das plötzliche Aufgeben von Hobbys, schwindendes Interesse am Alltagsleben, Schlafstörungen oder unerklärliche Müdigkeitszustände deuten auf eine Depression hin.

Nicht selten treten zudem körperliche Beschwerden auf (Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen, Verdauungsstörungen, Zittern, Schwindel, …). In diesem Fall spricht man von einer "verschleierten Depression". Die Symptome entsprechen nicht offensichtlich dem Krankheitsbild einer Depression, aber organische Ursachen für die körperlichen Leiden können dennoch ausgeschlossen werden.

Die häufigsten Anzeichen einer Depression sind

  • ständige Müdigkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis;
  • Schlafstörungen (erschwertes Einschlafen und häufiges Erwachen);
  • allgemeines Desinteresse;
  • Reizbarkeit;
  • Konzentrations- und Gedächtnisschwäche;
  • Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle;
  • Ängste, Hoffnungslosigkeit und ein Gefühl von Nutzlosigkeit;
  • unbegründete Tränenausbrüche oder aber die Unfähigkeit zu weinen;
  • Körperliche Beschwerden (siehe oben);
  • Energieverlust und Unentschlossenheit;
  • Appetitmangel;
  • Gewichtsabnahme.

 

Die meisten Betroffenen klagen nur über einige der genannten Beschwerden. Eine eindeutige Diagnose erweist sich dadurch als schwierig. Wenn die Beschwerden jedoch aus unerklärlichen Gründen über mehrere Monate hinweg andauern, sollte an eine Depression gedacht werden.


Im Alter wird der Mensch häufig mit Schwierigkeiten und schmerzhaften Situationen konfrontiert. Nicht selten lässt schon die Pensionierung die Betroffenen in ein tiefes Loch stürzen.

Weitere Auslöser einer Depression bei älteren Menschen können Ereignisse in ihrer unmittelbaren Umgebung oder gesundheitliche Probleme sein. In diesen Fällen spricht man von einer reaktiven Depression, da diese nichts mit der Persönlichkeit des Menschen zu tun hat, sondern ausschließlich auf die Lebensumstände zurückzuführen ist.

Die häufigsten Ursachen für eine Depression im Alter sind

  • Trauer um einen nahe stehenden Menschen oder ein Haustier;
  • Verlust der Mobilität;
  • Wohnungswechsel (z.B. Umzug ins Altenheim oder zu den Kindern);
  • Gesundheitliche Probleme und Schmerzen.

Im Alter ist es für den Betroffenen, die Angehörigen und für den Arzt oft noch schwieriger, eine Depression zu erkennen, denn viele Menschen denken, eine gedrückte Stimmung gehöre zum Alter einfach dazu.

http://www.freie.be:443/de/Ratgeber Gesundheit/Krankheiten von A bis M/Depressionen