Coronavirus: Finanzielle Maßnahmen für Arbeitnehmer und Selbstständige

16-03-2020

Sie sind direkt oder indirekt von der Coronakrise betroffen und sind gezwungen, Ihre Arbeit einzustellen? Die belgische Gesetzgebung sieht unterschiedliche finanzielle Maßnahmen für Arbeitnehmer und Selbstständige vor.

Arbeitnehmer

Arbeitsausfall wegen Krankheit

Wenn Sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, gelten die allgemeinen Unternehmensregeln im Falle einer Krankheit. Bei Arbeitsausfall haben Sie Anrecht auf die garantierte Lohnfortzahlung während der ersten 30 Tage. Wenn Sie länger als einen Monat ausfallen, erhalten Sie Krankengeld seitens Ihrer Krankenkasse.

Arbeitsausfall wegen Krisensituation

  • Die zeitweilige Arbeitslosigkeit wurde nun ausgeweitet und gilt nicht mehr nur bei höherer Gewalt, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Bisher wurden folgende Situationen als „höhere Gewalt“ angesehen: eine durch die Föderalregierung angeordnete Zwangsquarantäne, weil Sie mit Coronapatienten in Kontakt waren;
  • Sie sitzen im Ausland fest, weil Ihre Rückreise bis auf Weiteres abgesagt wurde;
  • Ihr Arbeitgeber hat nicht mehr ausreichend Arbeit für Sie, weil bspw. Zulieferungen aus dem Ausland ausfallen;
  • Zwangsschließung des Geschäfts aufgrund der verschärften Maßnahmen;
  • Home-Office oder Social Distancing können an Ihrem Arbeitsplatz nicht eingehalten werden;
  • NEU: Sie müssen zu Hause bleiben, weil ein Familienmitglied infiziert ist (vorher galt die Regelung des bezahlten/unbezahlten Urlaubs).

Inzwischen kann die vorübergehende Arbeitslosigkeit auch aus wirtschaftlichen Gründen angewandt werden. Bspw. wenn das Unternehmen eigentlich geöffnet hat, aber ein deutlicher Kundenrückgang verzeichnet wird und somit weniger Arbeit vorliegt. Zudem erhalten Sie als Zeitarbeitsloser aufgrund der Corona-Epidemie 70 % Ihres letzten Bruttogehalts. In normalen Zeiten sind es 65 %. Die Regierung hat den Prozentsatz bis Juni 2020 ausnahmsweise erhöht. Aber Vorsicht, das berücksichtigte Basis-Bruttogehalt für diese Berechnung ist auf 2.754,76 € begrenzt.

Zusätzlich zu diesem vorübergehenden Arbeitslosenbonus gibt es einen außergewöhnlichen Bonus von 5,63 € netto pro Tag der Arbeitslosigkeit oder rund 150 € pro Monat (abhängig von der Anzahl der Kalendertage im Monat). Mehr dazu >>

Selbstständige

Die Regierung hat unterschiedliche Maßnahmen für Selbstständige ausgearbeitet, um möglichen Konsequenzen durch die Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Unter anderem ist Folgendes vorgesehen:

Zahlungserleichterungen

Neben Zahlungserleichterungen steuerlicher Art, gibt es auch eine Erleichterung zur Senkung der Vorauszahlungen für Selbstständige. Zeichnet sich im Laufe des Jahres ab, dass das Einkommen niedriger ist als der Betrag, der ursprünglich zur Berechnung des Beitrags verwendet wurde, kann eine Reduzierung der Beiträge beantragt werden.

Zahlungsaufschub der Sozialbeiträge

Derzeit gilt ein Zahlungsaufschub (oder je nach Bedürfnissen eventuell sogar eine Freistellung) der ersten beiden Quartale des Jahres 2020:

  • Der Sozialbeitrag des 1. Quartals darf aufgeschoben und muss spätestens zum 31. März 2021 bezahlt werden. Der Antrag auf Aufschub muss noch vor dem 31. März 2020 bei Ihrer Sozialversicherungskasse eingereicht werden.
  • Der Beitrag für das 2. Quartal darf ebenfalls aufgeschoben und muss bis zum 30. Juni 2021 bezahlt werden. Der Antrag muss vor dem 15. Juni 2020 bei Ihrer Sozialversicherungskasse eingereicht werden.

Anspruch auf Überbrückungsmaßnahmen

Wenn Sie sich selbst mit dem Coronavirus infiziert haben, gelten die allgemeinen Entschädigungsregeln für Ihre Arbeitsunfähigkeit.

Falls Sie aufgrund einer Quarantäne oder aufgrund von Arbeitsverlust Ihre Selbstständigkeit unterbrechen müssen, ohne selbst krank zu sein, haben Sie Anspruch auf Überbrückungsmaßnahmen. Sie können ein Ersatzeinkommen in Höhe von 1.291,69€ pro Monat in Anspruch nehmen (erhöht auf 1.614,10€, wenn Mitversicherte im gleichen Haushalt leben). Derzeit gilt dies für die Monate März und April 2020. Informieren Sie sich bei Ihrer Sozialversicherungskasse.

Ein Callcenter im Dienste der Selbstständigen

Bei Zahlungsschwierigkeiten ist der erste Schritt, sich unverzüglich mit Ihrer Sozialversicherungskasse in Verbindung zu setzen.

Darüber hinaus stellt das LISVS (Landesinstitut der Sozialversicherungen für Selbstständige) ein Callcenter für Selbstständige zur Verfügung, die sich über ihre sozialen Rechte oder die von der Regierung beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen informieren möchten. Die kostenlose Rufnummer 0800 12 018 ist von Montag bis Freitag von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends erreichbar.

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