Ausnahmesituationen

Arzt

Damit niemand auf eine ärztliche Behandlung verzichten muss, gibt es Ausnahmesituationen, in denen das Drittzahlersystem angewandt werden darf.

Der Pflegeleistende (Arzt, Kinesitherapeut usw.) ist nur in bestimmten Fällen verpflichtet, die Anwendung des Drittzahlersystems zu akzeptieren. Es sei denn, es handelt sich um die Eröffnung oder die jährliche Erneuerung der "globalen medizinischen Akte" (siehe "Weitere Leistungen").

Das Drittzahlersystem kann bei Kindern oder Jugendlichen mit einer anerkannten Behinderung, die Anrecht haben auf erhöhte Kinderzulagen angewendet werden.

Über elektronischen Datenfluss erhalten wir automatisch eine Mitteilung seitens der Zentralen Datenbank der Sozialen Sicherheit, die uns das Anrecht auf erhöhte Kinderzulagen und die anerkannte Behinderung bescheinigt.

Die Anwendung des Drittzahlersystems ist im ersten Jahr bis zum 31. Dezember gültig. Besitzt der Versicherte die erforderliche Eigenschaft auch noch in den folgenden Jahren, so wird die Periode jeweils automatisch um ein Jahr verlängert.

Personen, die bei der Krankenkasse unter der Kategorie "Einwohner" eingetragen sind und ein niedrigeres Jahreseinkommen haben als das Eingliederungseinkommen (15.057,85 €), sind von der Beitragspflicht befreit.

Diese Personen sowie deren Mitversicherte erhalten während eines bestimmten Jahres Anrecht auf die Anwendung des Drittzahlersystems, wenn während des vorangegangenen Jahres die oben genannte Bedingung erfüllt wurde. 

Unter folgenden Bedingungen können Sie für sich und Ihre Mitversicherten die Anwendung des Drittzahlersystems beantragen. Sie brauchen keinen Nachweis für die erforderliche Eigenschaft vorzulegen, da uns die Angaben automatisch seitens der Zahlstellen über die zentrale Datenbank übermittelt werden.

Die Anwendung des Drittzahlersystems gilt bis zum 31. Dezember des darauf folgenden Jahres. Sie wird gegebenenfalls automatisch verlängert.

Bedingungen:

  • Sie sind vollarbeitslos seit mindestens 182 Tagen durchgehend;
  • Sie erhalten die Arbeitslosenunterstützung in der Kategorie "alleinstehend" oder "Hauptversicherter mit Personen zu Lasten".

Seit 1. Oktober 2015 sind Hausärzte verpflichtet, bei Konsultationen von Personen mit Anrecht auf den Vorzugstarif das Drittzahlersystem anzuwenden. Bei Hausbesuchen gilt weiterhin, dass der Allgemeinmediziner das System anwenden darf, aber nicht dazu verpflichtet ist.

Ausführliche Informationen zum Vorzugstarif >>

Das Drittzahlersystem kann für Personen, die sich in einer besonderen Situation befinden, angewandt werden:

  • Personen, die die Behandlungskosten auf Grund einer finanziellen Notsituation nicht zahlen können. In diesem Fall muss entweder der Patient oder der Arzt eine Erklärung auf Ehrenwort erstellen, in der die finanzielle Notlage erklärt wird. Diese Erklärung muss vom Patienten unterschrieben werden.
  • Personen, für die aus sozialen Gründen das Vorstrecken des Honorars nicht empfehlenswert ist, so bspw. Drogenabhängige, die durch die Erstattung der Krankenkasse neue Rauschmittel kaufen könnten.

Vorsicht:

"Finanzielle Notlage" bedeutet nicht, dass der Patient zum Zeitpunkt der Behandlung nicht genügend Geld bei sich hatte, seine Schulden wohl aber per Banküberweisung begleichen könnte.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Zahnärzte wenden seit dem 1. Juli 2015 das Drittzahlersystem nicht mehr an, auch nicht für Patienten, die sich in einer besonderen finanziellen Situation befinden. D.h. jeder Patient muss bei einer Zahnarztbehandlung das gesamte Honorar vorstrecken und erhält später die Erstattung seitens der Krankenkasse. Diese Einschränkung wurde auf Wunsch der Zahnärztevereinigung eingeführt, da die Regelung des Drittzahlersystems anscheinend in der Vergangenheit missbraucht wurde.

 

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