Pflege in der Europäischen Union

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Innerhalb der EU ist es möglich, bestimmte ambulante oder stationäre Leistungen in Anspruch zu nehmen und eine Erstattung seitens der belgischen oder ausländischen Krankenkasse zu erhalten. Dafür müssen jedoch gesetzliche Vorschriften eingehalten werden.

Für ambulante Leistungen ist es im Prinzip nicht möglich, eine vorherige Genehmigung des Vertrauensarztes und somit eine sichere Zusage der Kostenübernahme zu erhalten.

Die ambulanten medizinischen Leistungen werden im Nachhinein durch die belgische Krankenkasse nach belgischem Tarif erstattet. Dabei wird stets der (niedrige) Erstattungstarif für nicht konventionierte Pflegeleistende berücksichtigt.

Falls eine ambulante Leistung in Belgien der Genehmigung des Vertrauensarztes unterliegt, so gilt dies ebenfalls, wenn diese Leistung im Ausland in Anspruch genommen wird.

Beispiel:

  • Orthopädische Schuhe
  • Logopädie
  • Hörgeräte
  • Zahnspange

Achtung: Wenn Sie Leistungen bei einem Privatarzt in Anspruch nehmen, können hohe Honorarzuschläge zu Ihren Lasten bleiben, welche nicht durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet werden.

Auch Vor- und Nachuntersuchungen im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt gelten als ambulante Behandlungen und werden nach belgischem Tarif erstattet. Die Kosten des Krankenhausaufenthalts können, bei vorheriger Genehmigung des Vertrauensarztes, mittels eines von uns ausgestellten S2-Scheines von einer ausländischen Krankenkasse übernommen werden.

Besondere ambulante Leistungen

Für folgende ambulante Leistungen ist immer eine vorherige Genehmigung der belgischen Krankenkasse erforderlich. Bei Genehmigung des Vertrauensarztes kann ein S2-Schein ausgestellt werden, wodurch die Kostenübernahme durch die ausländische Krankenkasse ermöglicht wird.

  • Tomographie (CT oder MR),
  • Radiotherapie,
  • Bildverfahren Nuklearmedizin
  • Herzkatheterisierung

Bedingung für eine Genehmigung ist jedoch, dass die Leistung im belgischen Erstattungstarif vorgesehen ist und die Behandlung nicht innerhalb eines akzeptablen Zeitraumes in Belgien möglich ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen werden stationäre Aufenthalte innerhalb der Europäischen Union erstattet. Dazu ist immer eine vorherige Genehmigung des Vertrauensarztes notwendig.

Voraussetzungen

  • Sie haben die Nationalität eines EU-Mitgliedstaates.
  • Die Genehmigung der Krankenkasse muss vor der Behandlung im Ausland beantragt und erteilt worden sein.
  • Die Genehmigung ist nur anwendbar für Leistungen, die im Rahmen der belgischen und der ausländischen Krankenversicherung vorgesehen sind.
  • Die Behandlung ist in einem belgischen Krankenhaus nicht möglich, bzw. sie kann nur im Ausland unter besseren medizinischen Bedingungen stattfinden.

Achtung:

  • Die Sprache gilt nicht als ein Kriterium, um die Kostenzusage für eine Behandlung im Ausland zu erhalten.
  • Auch "soziale Gründe", z.B. weil die Familie im Ausland wohnt, können nicht als ein Kriterium für eine Genehmigung angeführt werden.

Antrag

Übermitteln Sie uns Ihre schriftliche Anfrage und einen Bericht Ihres Facharztes, der die Behandlung im Ausland ausdrücklich verordnet hat. Darin muss folgendes erläutert sein:

  • die genaue Beschreibung der Behandlung;
  • aus welchem Grund die Behandlung nicht in Belgien vorgenommen werden kann;
  • in welcher Einrichtung oder Klinik die Behandlung durchgeführt werden soll;
  • für welchen Zeitraum die Genehmigung erforderlich ist.

Kostenübernahme

Der Vertrauensarzt muss seine Entscheidung innerhalb von 45 Tagen treffen.

Wird die Genehmigung erteilt, so erhalten Sie einen S2-Schein, den Sie bei der ausländischen Krankenkasse oder der Krankenhausverwaltung abgeben. 
Damit werden die Kosten für die medizinische Versorgung von einer ausländischen Krankenkasse übernommen, gemäß der ausländischen Erstattungsregelung. Sie zahlen nur Ihren Eigenanteil.

Auch bei stationären Aufenthalten in einem Privatkrankenhaus ist diese Vorgehensweise einzuhalten. Hierfür kann jedoch kein S2-Schein ausgestellt werden. Die Kostenübernahme geschieht im Nachhinein durch die belgische Krankenkasse und nach belgischem Erstattungstarif.

Achtung: Wenn Sie in einem Privatkrankenhaus behandelt werden, können erhebliche Kosten zu Ihren Lasten anfallen, zum Beispiel Zimmer- und Honorarzuschläge, welche nicht durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattet werden.

Pflege vor und nach einem Krankenhausaufenthalt

Die Pflegeleistungen vor und nach einem Krankenhausaufenthalt im Ausland werden nicht über den S2-Schein abgerechnet, sondern so wie alle ambulanten Behandlungen im Ausland. Die Erstattung erfolgt im Nachhinein, durch die belgische Krankenkasse, nach belgischem Tarif.

Ambulante, bildgebende Verfahren (bspw. Scanner) müssen vorher vom Vertrauensarzt der Krankenkasse genehmigt werden.

Für Patienten mit Wohnsitz in einer der 9 deutschsprachigen Gemeinden oder den Gemeinden Baelen, Bleyberg, Malmedy, Weismes und Welkenraedt wird derzeit eine besondere Regelung angewandt. In bestimmten Kliniken im grenznahen deutschen Raum ist eine Erstattung möglich für:

  • akute Rehabilitationen (Herzerkrankung, Orthopädie, Neurologie, Diabetologie usw.);
  • psychiatrische und psychosomatische Behandlungen

Je nach Art der Behandlung ist entweder die gesetzliche Krankenversicherung zuständig, oder aber die jeweilige Gemeinschaftsregion. Folgende Regelung gilt für Anträge, deren Behandlungsbeginn zwischen dem 1. Mai 2019 und dem 31. Dezember 2019 liegt.

Pflege in einer Rehaklinik im deutschen Grenzraum

Kurzzeitpflege – Genehmigung durch den Vertrauensarzt

In bestimmten deutschen Einrichtungen sieht die belgische Krankenversicherung eine Erstattung für bestimmte Reha-Maßnahmen vor (im Bereich der Neurologie, Orthopädie, Kardiologie oder Diabetologie). Folgende Kriterien müssen für die Kostenübernahme gewährleistet sein:

  • Die beantragte Behandlung muss einer Reha-Maßnahme entsprechen, die auch in Belgien durch die gesetzliche Krankenversicherung getragen wird;
  • Es kann sich um eine ambulante oder um eine stationäre Behandlung handeln;
  • Die Dauer des Aufenthalts beträgt höchstens drei Monate (nur in bestimmten Fällen verlängerbar);
  • Der Antrag muss vor Behandlungsbeginn schriftlich beim Vertrauensarzt der Krankenkasse eingereicht werden und durch folgende Dokumente belegt sein:
    • den medizinischen Bericht des Facharztes (Belgien oder Deutschland),
    • den Vordruck „Anlage I“
    • den ausführlichen Behandlungsplan.

Nachdem der Vertrauensarzt eine Vorentscheidung getroffen hat, wird der Antrag dem Kollegium der Ärztedirektoren des LIKIV übermittelt und ggf. bestätigt. Falls der Vertrauensarzt die Genehmigung nicht erteilen kann, so wird das Kollegium aus Ärztedirektoren den Antrag dennoch prüfen. Wird die Behandlung genehmigt, so stellt die Krankenkasse einen S2-Schein zur Kostenübernahme durch eine deutsche Krankenkasse aus.

Liste der anerkannten deutschen Kliniken für eine Kurzzeitpflege

Langzeitpflege – Genehmigung durch das Ärztekollegium

Langzeitbehandlungen fallen in den Zuständigkeitsbereich der Teilstaaten, d.h. sie werden je nach Wohnsitz der betroffenen Patienten entweder durch die Deutschsprachige Gemeinschaft oder in der Wallonischen Region durch AViQ geprüft.

Zu den anerkannten Behandlungen im Sinne von Langzeitmaßnahmen gehören u.a. die Behandlung von Multipler Sklerose und von Gehör- und Sprachproblemen. Da die Gemeinschaftsregionen noch nicht alle über ein eigenes Entscheidungsorgan zur Beurteilung dieser Anfragen verfügen, werden die Anträge für Langzeitmaßnahmen während einer Übergangszeit noch durch den Vertrauensarzt der Krankenkasse und das Kollegium aus Ärztedirektoren geprüft, im Auftrag der jeweiligen Gemeinschaftsregion. Für die Deutschsprachige Gemeinschaft gilt dies bis zum 31. Dezember 2019.

Genehmigt der Vertrauensarzt der Krankenkasse die Behandlung, so stellt die zuständige Behörde, d.h. entweder das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft, oder das AViQ bei Wohnsitz des Patienten in der Wallonischen Region, den S2-Schein aus.

Eine vollständige Anfrage enthält:

  • einen schriftlichen Antrag des Mitglieds,
  • einen medizinischen Bericht des Facharztes (Belgien oder Deutschland),
  • einen Vordruck „Anlage I“,
  • einen ausführlichen ärztlichen Behandlungsplan.

Liste der anerkannten deutschen Kliniken für eine Langzeitpflege

Nicht anerkannte Kliniken

Anträge für Aufenthalte in Rehakliniken, welche nicht in der Liste vermerkt sind, werden dem Kollegium der Ärztedirektoren vorgelegt, werden jedoch nur in extrem seltenen Ausnahmefällen genehmigt.

Pflege in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik in Deutschland

Um die Genehmigung für eine psychiatrische oder psychosomatische Behandlung in einer der anerkannten Einrichtungen im deutschen Grenzgebiet zu erhalten, muss der Antrag durch die Krankenkasse an das Kollegium der Ärztedirektoren eingereicht werden. Dieses Kollegium entscheidet, ob der Antrag in den Zuständigkeitsbereich der Krankenkasse oder aber in die der zuständigen Gemeinschaftsregion fällt. Folgende Dokumente gehören zu diesem Antrag:

  • der schriftliche Antrag des Mitglieds,
  • der medizinische Bericht des Facharztes (Belgien oder Deutschland),
  • der Vordruck „Anlage I“,
  • der ausführliche ärztliche Behandlungsplan. Dieser sollte möglichst viele und detaillierte Informationen bezüglich der Behandlung enthalten, um dem Kollegium die Entscheidung zu ermöglichen.

Je nach Entscheidung des Kollegiums erhält der Patient die begründete Verweigerung oder aber eine Genehmigung für einen S2-Schein, der durch die zuständige Institution (entweder Krankenkasse oder das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft oder das AViQ, bei Wohnsitz des Patienten in der Wallonischen Region, ausgestellt wird.

Zusätzliche Erstattung durch Hospitalia und Hospitalia Plus

Bei stationären Aufenthalten im Ausland sieht unsere Krankenhausversicherung Hospitalia eine Erstattung vor. Diese kann ergänzend zu den oben angeführten Erstattungen in Anspruch genommen werden

Hospitalia: Maximal 200,00 €/Tag für die reellen Kosten, begrenzt auf die Dauer der Erstattung, die auch für Krankenhausaufenthalte in Belgien angewandt wird.

Hospitalia Plus: Maximal 360,00 €/Tag für die reellen Kosten, begrenzt auf die Dauer der Erstattung, die auch für Krankenhausaufenthalte in Belgien angewandt wird. 

Ausführliche Informationen zur Krankenhausversicherung Hospitalia >>

http://www.freie.be:443/de/Gut Versichert/Geplante Pflege im Ausland/Pflege in der Europaischen Union