Ärztehäuser

Ärztehaus

Liest man in der Zeitung, dann scheint es, als würden sich allerorts Arztpraxen zu Ärztehäusern zusammenschließen. Zu diesem Begriff muss jedoch einiges klargestellt werden, denn Ärztehaus ist nicht gleich Ärztehaus.

Stattdessen unterscheiden wir als Krankenkasse zwischen:

  • Ärztehäusern einerseits, die ein pauschales Bezahlsystem anwenden
  • Gemeinschaftspraxen andererseits, die zwar räumlich miteinander verbunden sind, wobei jedoch alle Therapeuten weiterhin ihre Behandlungen einzeln abrechnen.

Ärztehäuser in Großstädten

Ärztehäuser gibt es in Belgien seit den 1970er Jahren. Ihr primäres Ziel war und ist es, auch sozial schwächeren Bevölkerungsschichten eine nahtlose und bestmögliche medizinische Versorgung zuteilwerden zu lassen. Vorwiegend findet man diese Gesundheitszentren in den großen Städten.

Diese „Maisons Médicales“ in großen Städten sind meist Häuser, die unterschiedliche medizinische und paramedizinische Fachrichtungen verbinden und dabei mit den Krankenkassen ein pauschales Abrechnungssystem vereinbart haben. In einem Ärztehaus können beispielsweise Allgemeinmediziner, Krankenpfleger sowie Kinesitherapeuten zusammenarbeiten und über ein einziges globales Honorar pro Patient pro Monat entschädigt werden.

Ärztehäuser in Ostbelgien

Sowohl den Ärztehäusern als auch den Gemeinschaftspraxen geht es um die ganzheitliche Versorgung, die neben Pflegeleistungen auch Aktionen der Gesundheitsvorsorge umfassen kann.  Teamarbeit ermöglicht es, die Dienste der unterschiedlichen Leistungserbringer optimal zu koordinieren. Neben den gesundheitlichen Faktoren nimmt dabei auch der soziale Aspekt einen hohen Stellenwert ein.

Allen Initiativen, die im Laufe der letzten Jahre in Ostbelgien gegründet wurden, seien es nun Gemeinschaftspraxen oder Ärztehäuser, geht es bei ihrem Modell primär um eine flächendeckende kontinuierliche und qualitative Versorgung für die Zukunft – durch den Einsatz von zusätzlichem Personal und nicht zuletzt die Anwerbung junger Hausärzte. Für letztere ist das Konzept einer Gemeinschaftspraxis oder eines Ärztehauses besonders attraktiv, nicht nur da sie somit schnell Fuß fassen können, sondern auch weil sie durch die Teamarbeit etwas geregeltere Arbeits- und Sprechstundenzeiten haben. 

Pauschalbetrag pro Patient

In einer Gemeinschaftspraxis rechnet jeder der Pflegeleistenden sein Honorar separat mit dem Patienten ab. Anders beim Ärztehaus: dort werden die Patienten nach Unterzeichnung einer schriftlichen Erklärung in ein System eingetragen, das eine pauschale Abrechnung ermöglicht. Das Ärztehaus erhält seitens der Krankenkasse pro eingetragenen Patienten einen monatlichen Fixbetrag. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Patient in diesem Zeitraum behandelt wird oder nicht. Auch die Anzahl der Konsultationen, Arztbesuche oder Pflegeleistungen ist nicht von Bedeutung. Einem Ärztehaus können bis zu drei unterschiedliche Pauschalbeträge pro Patient ausgezahlt werden, betroffen sind folgende drei medizinischen Leistungen: Allgemeinmedizin, Krankenpflege, Kinesitherapie. 

Ein Ärztehaus ist nicht verpflichtet, alle diese drei Bereiche in sein Angebot aufzunehmen, es kann sich durchaus allein auf die Allgemeinmedizin, oder aber bspw. auf die beiden Bereiche Allgemeinmedizin und Krankenpflege beschränken.  

Vom LIKIV festgelegt

Pro Patient des Ärztehauses zahlt die Krankenkasse einen monatlichen Pauschalbetrag zwischen 10 und 15 Euro für die Leistungen des Hausarztes. Dieser Betrag wird auf Basis verschiedener Kriterien vom Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV) festgelegt. Einen zusätzlichen Betrag in etwa gleicher Höhe erhält das Ärztehaus für die Krankenpflege. Das LIKIV errechnet diese Pauschalbeträge anhand der durchschnittlichen Bedürfnisse der Patienten, anhand der Leistungen, welche dort angeboten werden (siehe oben), sowie aufgrund des Einzugsgebiets und eventuell damit verbundener Fahrtkosten für Hausbesuche.

Kostenlos für Patienten?

Bei der konventionellen Abrechnung von ärztlichen Leistungen bleibt ein festgelegter Eigenanteil zu Lasten des Versicherten, es sei denn, die Summe der bereits getragenen Eigenanteile erreicht das System der  Maximalen Gesundheitsrechnung. Bei der Behandlung im Ärztehaus braucht der Patient diesen Eigenanteil nicht zu zahlen. Lediglich technische medizinische Leistungen (Nähen von Wunden, Anlegen eines Gipsverbandes, EKG, usw.) werden dem Patienten separat in Rechnung gestellt.

Außer den oben erwähnten drei Fachbereichen können zwar weitere Pflegeleistende wie Ergotherapeuten, Psychologen, Fachärzte usw. ebenfalls in einem Ärztehaus angesiedelt sein, für diese gilt jedoch nicht das pauschale Bezahlsystem. Zur Erstattung solcher Leistungen erhalten die Patienten eine Behandlungsbescheinigung, die sie zur Erstattung bei der Krankenkasse einreichen müssen.

Beitragszahlungen bei Krankenkasse bleiben gleich

In der Regel behält jeder Arzt seinen Patientenstamm. Lediglich wenn er verhindert ist oder keinen Bereitschaftsdienst hat, wird der Patient durch einen Kollegen behandelt.

Das Versicherungsverhältnis sowie die Beitragszahlungen bei der Krankenkasse ändern sich nicht für einen Patienten, der sich einem bestimmten Ärztehaus anschließt. Da der Patient sich durch eine schriftliche Vereinbarung an ein Ärztehaus bindet, werden Leistungen von Allgemeinmedizinern und Krankenpflegerinnen, die diesem nicht angehören, nur in folgenden Fällen erstattet:

  • wenn der Patient einen Pflegeleistenden außerhalb des festgelegten geographischen Einzugsgebietes aufsucht;
  • wenn das Ärztehaus ihn an einen anderen Pflegeleistenden überweist;
  • wenn im Ärztehaus zu einem bestimmten Moment kein Pflegeleistender verfügbar ist.

In diesen Fällen werden die entstandenen Kosten (für die Konsultation eines anderen Allgemeinmediziners) jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen, sondern vom Ärztehaus. Dazu muss die erhaltene Behandlungsbescheinigung beim Sekretariat des Ärztehauses eingereicht werden.

Mit Ärztehaus abrechnen

Falls das Ärztehaus einen Krankenpflegedienst anbietet und hierfür seitens der Krankenkasse die Pauschalzahlungen erhält, so können ggf. externe selbstständige Krankenpfleger ihre Rechnung für einen Patienten, der dem Ärztehaus angeschlossen ist, nicht mit der Krankenkasse abrechnen, sondern müssen die Abrechnung mit dem Ärztehaus vornehmen, so als handele es sich um einen separaten Versicherungsträger.

Im Falle einer Behandlung durch einen Facharzt, bei Krankenhausaufenthalt oder beim Kauf von Medikamenten ändert sich nichts an dem bekannten Abrechnungssystem. Diese werden weiterhin durch die Krankenkasse erstattet.

Kinesitherapeutische Behandlungen werden in den beiden Ärztehäusern (siehe unten) nicht angeboten. Falls in dem Vertrag, den der Patient unterzeichnet, diese Leistungen vorgesehen sind (unterschiedlich je nach Ärztehaus) und diese in einer späteren Phase dort angeboten werden, so muss der Patient diese ggf. dort  in Anspruch nehmen.

Die vertragliche Bindung zwischen Arzt und Patient ist unbefristet, sie kann jedoch zum Ablauf jedes Quartals aufgehoben werden. In diesem Falle muss der Patient dem Arzt die Kündigung mindestens einen Monat im Voraus zusenden.

  • Progesund in Büllingen:
    Marktplatz 14B, 4760 Büllingen
    Tel. 080 292 090
    www.progesund.be
  • GPSmed in Eupen:
    Residenz Eupener Hof, Bergstraße 14, 4700 Eupen
    Tel.: 087 595 050
    www.gpsmed.be

  • Ärztehaus Klosterstraße in Sankt Vith:
    Klosterstraße 17D, 4780 Sankt Vith
    Tel.: 080 330 199
    www.aerztehaus.be
http://www.freie.be:443/de/Gut Versichert/Erstattung A bis M/Aerztliche Pflege/Arztehauser