Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen nehmen regelmäßig Medikamente ein

14-05-2018

Medikament

Antibiotika, Schmerzmittel, Antiallergika,… 56 % der jungen Belgier nehmen mindestens ein Medikament pro Jahr zu sich. Dieser Prozentsatz betrifft nur die verordneten und erstattbaren Medikamente, was darauf schließen lässt, dass die tatsächliche Zahl noch viel höher liegt.

Eine Statistik von Eurostat aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass Belgien den größten Anteil junger Menschen (15-24 Jahren) zählt, die verordnete Medikamente einnehmen. Eine Studie des Landesbundes der Freien Krankenkassen an einer selten untersuchten Altersgruppe, den 12- bis 18-Jährigen, erhärtete dieses Ergebnis: 56 % der belgischen Jugendlichen nehmen mindestens einmal im Jahr ein ärztlich verordnetes Medikament ein.

Zu viele Entzündungshemmer

  • Antibiotika sind die am häufigsten konsumierten Arzneimittel: 30 % der jungen Belgier haben im Jahr 2016 durchschnittlich 23 Tage lang ein Antibiotikum eingenommen. Das zeigt, dass die Sensibilisierungskampagne gegen Antibiotika noch keine großen Früchte trägt.
  • Andere überkonsumierte Medikamente sind Schmerzmittel mit Entzündungshemmern, wie bspw. Ibuprofen. Einem von fünf Jugendlichen (19 %) wurde 2016 mindestens ein entzündungshemmendes Mittel verschrieben. Diese Medikamente werden nicht nur bei akuten Schmerzen verwendet, sondern kommen auch zum Einsatz, um Beschwerden wie chronische Schmerzen oder Rheuma zu behandeln und sie sind bekannt für ihre Nebenwirkungen. Diese Jugendlichen konsumieren die Enzündungshemmer während durchschnittlich 20 Tagen im Jahr. Der reelle Konsum liegt aber deutlich höher, da solche Schmerzmittel auch ohne Verschreibung in der Apotheke erhältlich sind.
  • An dritter Stelle der häufig eingenommenen Medikamente sind Antiallergika (9,6 %) sowie Asthma-Medikamente (7,3 %). Die Einnahme dieser Arzneimittel ist zwar konstant, jedoch mit steigender Tendenz.

Überkonsum bei Jugendlichen?

Es ist schwierig, die Frage nach einem Überkonsum zu beantworten, ohne die individuelle Diagnose und den Kontext der Betroffenen zu kennen. Jedoch sollten wir über die Banalisierung des Medikamentenkonsums nachdenken. Nur wenige wissenschaftliche Studien untersuchen die Medikamentengewohnheiten junger Menschen. Doch die Studie des Landesbundes der Freien Krankenkassen bestätigt die zunehmende Tendenz, alles schnell medikamentös behandeln zu wollen.

Jugendliche und ihre Eltern müssen weiterhin sensibilisiert werden über die negativen Auswirkungen der Medikamente, insbesondere über die von entzündungshemmenden Mitteln. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen sollten diese Arzneimittel nur verwendet werden, wenn das Nutzen-Risiko-Verhältnis stimmt. Bei Fieber ist bspw. Paracetamol die bessere Wahl.

Umstellung der Gewohnheiten

Wenn Schmerzen wiederkehrend sind, sollte keine Selbst-Medikation angewendet, sondern ein Arzt aufgesucht werden. Langanhaltende Symptome müssen immer fachlich untersucht werden. Auch ein Apotheker, der Jugendlichen Schmerzmittel aushändigt, sollte über die richtige Einnahme sowie über mögliche Gefahren informieren.

Gegen zahlreiche Beschwerden helfen bereits die Umstellung der Gewohnheiten und ein ausgewogener Lebensstil. Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Schlafzeiten, Bewegung und ausreichend Ruhepausen steigern das Wohlbefinden und können zu einer besseren Gesundheit beitragen – ohne medikamentöse Behandlung.

http://www.freie.be/de/News/medikament_jugend